Eine seltene Welle der Emotionen hat sich dieses Jahr durch die globale Onkologiegemeinschaft gezogen, gekennzeichnet durch spontane stehende Ovationen auf zwei der renommiertesten Krebskonferenzen der Welt. Im Mai stand während des Treffens der American Society of Clinical Oncology (ASCO) in Chicago ein gesamter Auditoriumssaal auf, um Ergebnisse zu applaudieren, die zeigten, dass eine gezielte Therapie die Überlebensraten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verdoppeln könnte – einem Tumor, der historisch für seine schlechte Prognose bekannt ist. Diese Woche wiederholte sich diese Stimmung in Madrid auf dem Kongress der European Society for Medical Oncology (ESMO), wo Hunderte von Onkologen aufstanden, um eine Studie zu feiern, die ungeahnte Überlebensverbesserungen bei der aggressivsten Form von Lungenkrebs demonstrierte.

Angela Lamarca, Koordinatorin des Kommunikationsausschusses für den europäischen Kongress, stellte fest, dass solche formellen Veranstaltungen zwar typischerweise unparteiisch und zurückhaltend sind, die in diesem Jahr präsentierten Daten jedoch zu bedeutend waren, um ignoriert zu werden. „Wir sehen eine Explosion verschiedener Medikamente“, erklärte Lamarca. „Diese Innovation findet nicht nur bei den häufigsten Tumoren statt, sondern auch bei einigen selteneren und aggressiveren. Das ist sehr wichtig und bedeutsam.“ Diese Momente kollektiver Feier signalisieren ein neues Zeitalter, in dem die Wissenschaft Licht in die dunkelsten Tumoren bringt und nachhaltige Überlebensverbesserungen nach Jahrzehnten gescheiterter Versuche bietet, auch wenn diese Zustände weiterhin tödlich bleiben.

Der Fokus in Madrid lag auf der DeLLphi-305-Studie, die Daten zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs (SCLC) vorlegte. Die Studie zeigte, dass die Hinzufügung des Medikaments Tarlatamab zur Immuntherapie Durvalumab die Ergebnisse signifikant verbesserte. Tarlatamab ist ein Antikörper, der Lymphozyten mit malignen Zellen verbindet, um diese zu zerstören, und stärkt damit die Rolle der Immuntherapie bei einer Erkrankung mit wenigen therapeutischen Alternativen. SCLC ist notorisch aggressiv und wächst so schnell, dass 70 % der Fälle in fortgeschrittenen Stadien entdeckt werden, wobei die Fünf-Jahres-Überlebensraten 5 % nicht überschreiten. Die Verwendung der Kombination aus Tarlatamab und Durvalumab als Erhaltungstherapie nach der Erstlinientherapie führte jedoch zu einer geschätzten Gesamtüberlebensrate von 79,4 % nach 12 Monaten im Vergleich zu 53,3 % bei Patienten, die nur Durvalumab erhielten.

Stephen Liu, Onkologe am Georgetown Lombardi Comprehensive Cancer Center, erklärte in einer Pressemitteilung, dass die beobachteten Überlebensverbesserungen eine Größenordnung darstellen, die bei dieser Art von Tumor noch nie zuvor gesehen wurde. Ernest Nadal, wissenschaftlicher Direktor des Katalanischen Instituts für Onkologie und Lungenkrebs-Experte auf der Konferenz, beschrieb die emotionale Reaktion als Antwort auf eine schwer behandelbare Erkrankung, bei der diese neue Immuntherapie-Modalität scheinbar den Anteil der Langzeitüberlebenden erhöht. „Die Überlebenskurve verdoppelt sich: Sie geht von einem Jahr auf zwei Jahre über“, stellte Nadal fest und fügte hinzu, dass er, obwohl die Innovation disruptiv ist, besorgt darüber bleibt, wie lange es dauern könnte, bis öffentliche Systeme diese Behandlungen finanzieren.

Die Begeisterung in Chicago zu Beginn dieses Jahres konzentrierte sich auf Daraxonrasib, ein Medikament, das das mutierte KRAS-Gen targetiert, das für das aggressive Wachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen Tumoren verantwortlich ist. Die Therapie erzielte einen ungeahnten Erfolg bei Patienten mit metastasierter Erkrankung und verlängerte das Überleben auf bis zu 13 Monate, das Doppelte der konventionellen Chemotherapie. Lamarca, die das Ereignis im Hospital Universitario Fundación Jiménez Díaz in Madrid miterlebte, erinnerte sich an den Moment als einen Paradigmenwechsel. „Das Sehen dieser Überlebenskurven beweist, dass es ein Paradigmenwechsel ist“, sagte sie. „Als Onkologin ist es ein besonderer Moment, weil sich für unsere Patienten ein Licht der Hoffnung öffnet.“

Yannick Buccella, ein molekularer Onkologe, hob hervor, dass Daraxonrasib eine neue Generation von KRAS-Inhibitoren darstellt, die das Verständnis der Tumorbiologie vertiefen. Er schlug vor, dass es in naher Zukunft zu ungenau sein wird, einfach nur festzustellen, dass ein Patient Bauchspeicheldrüsenkrebs mit einer KRAS-Mutation hat; stattdessen müssten Kliniker die spezifische KRAS-Mutation identifizieren, um die Wirksamkeit der Behandlung vorherzusagen. „Die Präzisionsonkologie wird präziser“, schrieb Buccella auf X. „Nicht nur eine Krankheit oder eine Mutation. Jetzt kann ein einzelner Buchstabe den Unterschied machen.“

Trotz der Aufregung betonen Experten Vorsicht. Lamarca unterstrich, dass diese Behandlungen die Tumore zwar nicht heilen, aber das Leben verlängern, obwohl die Überlebenskurven eindeutig überlegen sind. „Für jemanden, der kein Onkologe ist, mag das wenig erscheinen, aber für den Patienten bedeutet es einen riesigen Unterschied, sechs Monate länger mit besserer Lebensqualität zu leben“, erklärte sie. Diese Fortschritte kaufen Zeit für weitere wissenschaftliche Forschung, ähnlich wie die Immuntherapie vor drei Jahrzehnten.

Kürzlich veröffentlichte Studien im New England Journal of Medicine illustrieren das Potenzial dieses neuen therapeutischen Arsenals. Neben Tarlatamab bei kleinzelligem Lungenkrebs zeigen Studien, dass Divarasib, ein KRAS-Inhibitor, der die spezifische G12C-Mutation targetiert, das Überleben vor dem Tumorprogress bei anderen Lungenkrebstypen verbessert. Darüber hinaus haben Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs), die wie ein trojanisches Pferd funktionieren, indem sie Chemotherapie direkt in maligne Zellen liefern, vielversprechende Ergebnisse gezeigt. In Kombination mit Pembrolizumab verlängerte ein solches ADC das Überleben vor dem Progress auf 15 Monate im Vergleich zu nur sechs Monaten bei Pembrolizumab und Chemotherapie allein.

Auf dem ESMO-Kongress wurde auch ein ADC für fortgeschrittenen Endometriumkarzinom präsentiert, der nicht auf konventionelle Chemo-Immuntherapie ansprach. Die Behandlung reduzierte das Risiko eines Krankheitsprogresses um 41 %. Ainhoa Madariaga, Onkologin am Hospital 12 de Octubre in Madrid und Forscherin der Studie, stellte fest, dass die therapeutischen Optionen für diese Patientengruppe begrenzt sind und ein erheblicher ungedeckter medizinischer Bedarf besteht. Sie bestätigte, dass die Ergebnisse nun robust genug seien, um die klinische Praxis zu verändern. Nadal schloss mit der Feststellung, dass die Onkologie eine zweite Welle der Innovation erlebt, ähnlich dem Aufstieg der Immuntherapie, wobei eine neue Generation von Medikamenten die Rate der Langzeitüberlebenden erhöht.

Quellen: El País Ciencia.