Programme, die Menschen dabei helfen, nach dem Gefängnis ins Leben außerhalb der Haft zurückzukehren, konzentrieren sich oft auf praktische Bedürfnisse wie Arbeit und Wohnraum. Eine Inhaftierung kann jedoch auch anhaltende Traumata hinterlassen, das Selbstbild einer Person erschüttern und es erschweren, mit Emotionen umzugehen oder Beziehungen aufrechtzuerhalten. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Theater, Schreiben, Musik und andere kreative Aktivitäten bei einigen dieser Herausforderungen helfen können.
Der Film „Sing Sing“ aus dem Jahr 2024 zeigt Rehabilitation Through the Arts (RTA), ein Theaterprogramm in einem Hochsicherheitsgefängnis im Bundesstaat New York. Das Programm gibt an, dass etwa 5 % seiner Teilnehmenden erneut ins Gefängnis kommen. Zum Vergleich: Laut dem Council of State Governments Justice Center werden landesweit 27 % der entlassenen Menschen innerhalb von drei Jahren erneut inhaftiert. Die Zahlen weisen auf einen möglichen Nutzen hin, belegen jedoch nicht, dass Kunstprogramme die Rückfallquote senken.
Die im Artikel angeführte Forschung beschreibt, wie weit verbreitet Traumata unter inhaftierten Menschen sind. Eine Studie mit etwa 4.000 inhaftierten Männern ergab, dass 44,7 % von körperlichen Traumata in ihrer Kindheit berichteten. Auch eine posttraumatische Belastungsstörung kommt bei inhaftierten Menschen deutlich häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung. Erfahrungen wie Viktimisierung, Einzelhaft und Zwang können die psychische Belastung zusätzlich verstärken.
Die Auswirkungen können nach der Entlassung anhalten. Forschende haben bei Menschen, die nach langen Haftstrafen nach Hause zurückkehren, Schwierigkeiten festgestellt, darunter anhaltendes Misstrauen, Probleme beim Treffen von Entscheidungen und belastete Beziehungen. Diese Herausforderungen können es erschweren, sich zu Hause, bei der Arbeit und in der Familie ein Leben wiederaufzubauen, während viele Wiedereingliederungsangebote andere Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen.
Kreative Aktivitäten bieten möglicherweise eine Möglichkeit, Fähigkeiten zu üben und ein neues Selbstbild zu entwickeln. Im Theater können Teilnehmende Rollen übernehmen, die über die Identität hinausgehen, die ihnen das Strafrechtssystem zugeschrieben hat. Die Arbeit im Ensemble erfordert Zusammenarbeit, Verhandlungsgeschick und Impulskontrolle. Schreiben und künstlerisches Gestalten können zudem strukturierte Möglichkeiten bieten, schwierige Erfahrungen auszudrücken und sich eine Zukunft jenseits der Inhaftierung auszumalen.
Einige Evaluationen berichten von Verbesserungen des Selbstvertrauens, der Emotionskontrolle und des Zeitmanagements bei Teilnehmenden an Kunstprogrammen in Gefängnissen sowie von weniger Disziplinarberichten. Eine kleine Studie mit Erwachsenen außerhalb des Gefängnisses ergab, dass 45 Minuten künstlerischer Betätigung den Cortisolspiegel bei etwa drei Vierteln der Teilnehmenden senkten. Weitere im Artikel angeführte Forschungsergebnisse berichten von den positiven Wirkungen der Tanz- und Bewegungstherapie sowie der Musiktherapie in Gruppen, darunter weniger Depressionen oder Angstzustände und ein verbessertes Selbstwertgefühl.
Die breitere wissenschaftliche Evidenz entwickelt sich noch. Eine Metaanalyse zu Kunsttherapien in forensischen Einrichtungen, die 11 randomisierte oder kontrollierte Studien einschloss, ergab Verbesserungen bei psychiatrischen Symptomen sowie bei der sozialen und psychischen Funktionsfähigkeit. Eine randomisierte Studie mit 200 Männern in einem chinesischen Gefängnis ergab ebenfalls, dass Musiktherapie in Gruppen Ängste und Depressionen verringerte und das Selbstwertgefühl steigerte.
Forschende mahnen, dass weitere Studien erforderlich sind, insbesondere in Justizvollzugseinrichtungen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kreative Programme die soziale und emotionale Gesundheit unterstützen können. Sie zeigen jedoch nicht, dass künstlerische Aktivitäten Wohnraum, Arbeit, psychische Gesundheitsversorgung oder andere Wiedereingliederungsangebote ersetzen können. Sie bieten eine Möglichkeit, Aspekte der Genesung anzugehen, die durch praktische Unterstützung allein möglicherweise nicht erreicht werden.
Quellen: Psychology Today.